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Umgang mit Hunden

Hunde verstehen, auch ohne gemeinsame Sprache. Codex Hund - für ein friedliches Mit- und Nebeneinander. Hunde verstehen, auch ohne gemeinsame Sprache. Codex Hund - für ein friedliches Mit- und Nebeneinander.

Hund und Körpersprache: von Anspringen bis Zähne fletschen

Sandra klingelt bei ihrer Freundin Andrea an der Haustür. Der Türöffner summt, Sandra drückt die Haustür auf und hört drinnen einen Hund bellen. Bevor sie überhaupt den Flur betreten hat, springt ihr dieser entgegen und an ihr hoch. Andrea kommt aus dem Wohnzimmer gerannt, zieht den Hund weg und entschuldigt sich. «Sorry, Sandra. Elvis ist noch jung und er hat sein Temperament noch nicht im Griff.»  

Bei Elvis ist der Fall klar: Elvis ist ein junger Hund und Sandra könnte eine potenzielle Spielpartnerin sein. Dass er mit seiner Kontaktaufnahme bei Sandra Angst auslöst, weiss er nicht. Junge Hunde wissen noch nicht, was sich gehört und was nicht und so springen sie an Menschen hoch, um ihre Freude zu bekunden. Erwachsene Hunde hingegen, die Besucher frontal anspringen, wollen oft ihr Revier markieren und dem Gegenüber mitteilen: «Hier bin ich der Chef.» Seien Sie deshalb besonders vorsichtig, wenn Sie sich dem Revier eines Hundes nähern oder es betreten möchten.  

Damit Sie das Verhalten eines Hundes richtig einordnen können, ist es wichtig, dass Sie einzelne Komponenten nicht isoliert betrachten, sondern allfällige akustische Signale wie Bellen und Knurren zusammen mit der Körpersprache und Mimik des Hundes interpretieren. Die meisten Menschen schätzen die Stimmung eines Hundes übrigens intuitiv richtig ein.

Bellen ist nicht gleich Bellen: Hundesprache richtig verstehen    

«Hunde, die bellen, beissen nicht», lautet ein Sprichwort. Doch ganz so einfach ist es in der Realität nicht. Hundelaien können sich aber zumindest an der Tonlage des Bellens orientieren. Grundsätzlich gilt: Bellt ein Hund in einer höheren Tonlage, ist der Hund freudig erregt. Klingt das Bellen von der Stimmlage her eher tief, droht der Hund. Auch die Körpergrösse des Hundes wirkt sich auf die Tonhöhe des Bellens aus: Kleinere Hunde bellen in höheren Tonlagen, grosse Hunde in tieferen. Deshalb ist es gar nicht so einfach, das Bellen richtig einschätzen zu können. Deshalb ist man zur eigenen Sicherheit bei bellenden Hunden generell vorsichtig.  

Auch beim Knurren kann man grob zwischen einer hellen und einer tiefen Tonlage unterscheiden. Wenn ein Hund bei sogenannten Zerrspielen mit einem vertrauten Partner einen Gegenstand, z. B. einen Stock, ergattern will, knurrt er aus Spass. Dieses Spielknurren klingt heller und ist eigentlich unbedenklich. Da es aber einen Erregungszustand des Hundes ausdrückt, ist trotzdem Vorsicht geboten. Knurrt ein Hund dagegen in eher geduckter Haltung mit angelegten Ohren und abgewandtem Blick einen Fremden an, heisst das so viel wie: «Komm mir nicht näher!» Das Tier ist gestresst und unsicher. Um eine offensive Drohung nach dem Motto: «Lass das!», handelt es sich, wenn der Hund in grosser Körperspannung dasteht, einen starren Blick hat oder einen gar direkt fixiert und dabei tieftonig, grollend knurrt. Um den Hund nicht weiter zu reizen oder gar einen Angriff zu provozieren, sollte man sich langsam und ruhig zurückziehen.

Schwanzwedelnde Hunde: oft missverstanden    

Der freundliche, schwanzwedelnde Hund, wie man ihn aus Kinderbüchern oder -filmen kennt, birgt wohl eins der häufigsten Missverständnisse im Verhältnis Hund-Mensch. Nichthundehalter interpretieren Schwanzwedeln fast immer als freudige Geste. Doch tatsächlich sagt das Schwanzwedeln allein nichts darüber aus, wie ein Hund gestimmt ist, sondern nur etwas über das Ausmass seiner Erregung. Wedelt der Hund seinen Schwanz heftig seitlich oder propellerartig, ist er in der Regel gut gelaunt. Befindet er sich aber gleichzeitig in «Jagdstimmung», kann es passieren, dass er einem rennenden Kind nachsetzt. Um den Jagdtrieb von Hunden nicht anzuheizen, sollte man sich bei Begegnungen mit ihnen nicht zu ruckartig bewegen und eher langsam an ihnen vorbeigehen.  

Wenn ein Hund mit säbelartig erhobenem Schwanz sehr steif und aufgeplustert dasteht und nur seine Schwanzspitze mit kleiner Amplitude wedelt, ist ebenfalls Vorsicht geboten. Dieses Verhalten zeigt ein Hund dann, wenn eine Person etwas machen will, womit der Vierbeiner überhaupt nicht einverstanden ist. Zum Beispiel, wenn jemand sein Territorium betritt oder dem Hund etwas wegnehmen will. Dann heisst es Rückzug, um den Hund nicht weiter zu provozieren.  

Weitaus häufiger richtet ein Hund dieses Imponiergehabe aber, insbesondere wenn es ein Rüde ist, an Artgenossen. Kombiniert ein Rüde dieses Verhalten mit Knurren gegenüber einem anderen Rüden, bedeutet es übersetzt so viel wie «Ich bin stärker als du», kombiniert er es gegenüber einer Hündin mit hohem Fiepen, heisst es: «Ich bin ein toller Hecht.»

Zähne zeigen: Können Hunde lächeln?

Manche Haustiere entwickeln Verhaltensweisen, die denen der Menschen ähneln. Zeigt ein Hund seine Zähne, kann es aussehen, als würde er lächeln. Tatsächlich ist es möglich, dass er damit eine freundliche Stimmung ausdrückt, denn manche Hunde imitieren das menschliche Verhalten. Es gibt aber auch Situationen, in denen ein Hund seine Zähne aus anderen Gründen zeigt. Fletscht ein Hund seine Zähne, knurrt er und wirkt angespannt, heisst es auf Abstand zu gehen. Ein Hund kann nicht sprechen und sagen: «Lass mich in Ruhe, bleib weg von mir!», oder: «Ich kenne dich nicht und möchte nicht von dir angefasst werden.» Also drückt er sich in der ihm möglichen Sprache aus. Umgekehrt können wir nicht in Hundesprache antworten. Daher ist es umso wichtiger, dass wir Menschen versuchen, das Verhalten eines Hundes richtig einzuordnen und uns dem Tier gegenüber entsprechend respektvoll zu verhalten.

Diese Hunde lächeln nicht, sondern sie drohen. Deshalb ist Vorsicht geboten. (Bilder: pixabay) Diese Hunde lächeln nicht, sondern sie drohen. Deshalb ist Vorsicht geboten. (Bilder: pixabay)